Die Ursache von EHS

Elektrohypersensibilität (EHS) wird durch künstliche elektromagnetische Felder (EMF) ausgelöst.
Die Grenzwerte sollen uns vor Auswirkungen durch Erwärmung schützen. Die Studienlage zeigt aber weitere Auswirkungen bei Menschen, Tieren und Pflanzen, die nicht auf Erwärmung beruhen. Vor diesen Auswirkungen (biologische Wirkung) sind wir durch die Grenzwerte nicht geschützt.

Viele Menschen wissen nicht, dass künstliche elektromagnetische Felder die Gesundheit beeinträchtigen können. Die öffentlichen Medien berichten kaum über EHS. Wenn doch, wird Elektrohypersensibilität gern als psychisches Problem dargestellt. Zu diesem Meinungsbild trägt auch das Bundesamt für Strahlenschutz bei.


Die Haltung des BfS (Bundesamt für Strahlenschutz)

Auf der Seite “Wissenschaftlich diskutierte biologische und gesundheitliche Wirkungen hochfrequenter Felder” zeigt sich die Haltung des BfS zu „Elektrosensibilität“. Wird das Feld „Elektrosensibilität“ geöffnet, findet sich der Textabschnitt:
„das Wissen um das Vorhandensein von Feldern in Kombination mit Besorgnis über mögliche gesundheitliche Auswirkungen dieser Felder (kann) Beschwerden verursachen. Dieser Wirkmechanismus wird Nocebo-Effekt genannt – ein Gegenstück zum Placebo-Effekt.“

Nocebo-Effekt: Wenn eine Person überzeugt ist, dass eine Substanz oder ein Einfluss schädlich ist, kann die Angst Stressreaktionen und daraus folgend körperliche Symptome bewirken.

EHS ist kein Nocebo-Effekt
Bei einem Nocebo-Effekt müssen die Bedenken am Anfang stehen. Die meisten Menschen nutzen EMFs bedenkenlos, Funk gehört zum Alltag. Wenn Gesundheitsbeschwerden auftauchen, werden diese in der Regel über Wochen, Monate und teils sogar über Jahre nicht mit Funk in Verbindung gebracht. Die Gesundheitsbeschwerden können somit nicht durch einen Nocebo-Effekt ausgelöst worden sein.

Die Wirklichkeit
Zu Beginn bestehen die Gesundheitsbeschwerden. Es wird Ursachenforschung betrieben, d.h. es wird überlegt, was die Beschwerden auslöst. Es wird ausprobiert, ob eine Verhaltensänderung (z.B. andere Ernährung, mehr Bewegung, psychologische Beratung …) eine Verbesserung bewirkt. Doch die umgesetzten Maßnahmen führen nicht zu einer Besserung.

Ein Hinweis aus dem Bekanntenkreis, der Aufenthalt im Funkloch oder andere zufällige Begebenheiten führen zum ersten Nachdenken über Elektrosmog. Eine Verbesserung kommt mit der Funkreduzierung, obwohl diese eher nicht erwartet wurde. Man probiert eben aus, wie man schon manch anderes ausprobiert hat und ist dann sogar überrascht, dass die Beschwerden nachlassen. Einer positiven Erfahrung mit Funkvermeidung wird oft beim ersten Mal nicht vertraut. Sie wird mehrfach wiederholt, verglichen mit Zeiten unter Funkbelastung. Manche Betroffene besorgen sich ein Messgerät, um eigene Erfahrungen mit Messungen abzuklären und abzusichern. Dieses Ausprobieren ist nicht angstbesetzt, sondern geschieht aus einer Neugier heraus.

diagnose:EHS

Die Unterstellung einer psychischen Ursache
Leider wird EHS-Betroffenen oft unterstellt, dass ihre Krankheitssymptome psychisch bedingt seien.
Dabei wird

  • Die Ausgangslage des bedenkenlosen, oft auch freudigen Umgangs mit EMF ausgeblendet.
  • EHS-Betroffenen kein offen gehaltenes, unbesorgtes Ausprobieren verschiedener möglicher Krankheitsauslöser zugetraut.
  • EHS-Betroffenen nicht zugestanden, dass sie selbst erfassen, ob sie Angst haben oder nicht.
  • EHS-Betroffenen aberkannt, körperliche Reaktionen in logischen Bezug zu zeitlichen Abläufen bringen zu können.

Mit diesem Umgang werden EHS-Betroffene als unzurechnungsfähig bzw. psychisch-geistig gestört einsortiert. Es ist ein Weg, auf dem EHS-Betroffene als nicht beachtenswert dargestellt werden. Diese Entwürdigung und Entmündigung ist eine Form der Ausgrenzung (Diskriminierung).

Die Haltung des BfS bewirkt und trägt maßgeblich dazu bei, dass EHS-Betroffene diskriminiert werden.

Aus der Geschichte lernen
Es gibt einige Krankheiten, die sich in der Vergangenheit als psychosomatisch oder psychiatrisch fehldiagnostiziert herausstellten:

Lässt sich mit derzeitigen Untersuchungsmöglichkeiten keine klare Krankheitsursache erkennen, nutzen Ärzte und Ärztinnen oft psychosomatische bzw. psychiatrische Verlegenheitsdiagnosen. Aus Abrechnungsgründen muss eine Diagnose gestellt werden. Im Krankheitsverzeichnis der WHO, dem ICD, bieten sich über 69.000 Diagnosen an. Die ehrliche Diagnose “Medizinisch unklare Erkrankung” gibt es nicht, dabei wäre sie notwendig, um in unklaren Situationen eine Diagnose offenzuhalten und eine abwertend psychische Fehldiagnose zu vermeiden.

„Wir müssen in der Medizin realisieren, dass wir vieles wissen, aber noch lange nicht alles. Da ist ein gewisses Maß an Demut wirklich angebracht. Viele Erkrankungen, die wir heute überhaupt nicht kennen oder als psychisch einsortieren, haben sich dann in den letzten Jahren zum Beispiel als Autoimmunerkrankung oder als eine Infektionserkrankung herausgestellt.“ , Dr. Jürgen Rolf Schäfer, Deutschlandfunk Kultur., “Die spinnen doch nur!”.